Plattdütsch in Mecklenburg-Vorpommern Kannst keen Platt, fehlt di wat!

Na, habt ihr alles verstanden? Wenn ihr auf Fischland-Darß-Zingst Urlaub macht, werdet ihr sicherlich bemerken, dass diese sympathische Mundart noch immer fest zum Alltagsgeschehen gehört. Wir haben einmal etwas genauer für euch hingehört.

Von Schwäbisch über Bayerisch bis hin zu Sächsisch: In Deutschland gibt es viele verschiedene Dialekte. Wer aus dem hohen Norden kommt oder hier gerne seinen Ostseeurlaub verbringt, hat bestimmt auch schon einmal etwas von Plattdeutsch gehört. Um die Freude auf euren nächsten Urlaub am Meer etwas zu steigern und euch die kulturelle Besonderheit des Plattdeutschen ein wenig näher zu bringen, erfahrt ihr bei uns alles Wissenswerte rund um das Thema Plattdeutsch.

Wo kommt Plattdeutsch her?

Plattdeutsch wird auch Niederdeutsch genannt und gehört zu den Westgermanischen Sprachen. Diese bilden wiederum eine Untergruppe der Germanischen Sprachen, zu denen unter anderem Hochdeutsch, Niederländisch und Englisch gehören. In Deutschland wird vor allem im hohen Norden Platt gesprochen. Davon lässt sich auch das Wort „Niederdeutsch“ herleiten, da „nieder“ ein Ausdruck für nördlich ist. Niederdeutsch kann ebenfalls wieder in verschiedene Dialektformen unterteilt werden. Entwickelt hat es sich ursprünglich aus dem Altsächsischen und dem Mittelniederdeutschen. Die niederdeutschen Dialekte stammen aus der Familie der nordseegermanischen Sprachen und zeigen deshalb Ähnlichkeiten zum Friesischen und Englischen.

Ostseeurlaub mit Hund: Auch am Strand hört ihr vielleicht den einen oder anderen Schnack auf Platt. © Shutterstock, MRo
Wenn ihr mit einheimischen Hundebesitzern ins Gespräch kommt, fällt vielleicht auch das eine oder andere Wort auf Platt. © Shutterstock, MRo

Bis in das 16. Jahrhundert hinein gab es neben den verschiedenen Mundarten, die das Volk sprach, auch eine niederdeutsche Kanzlei- und Rechtssprache. Diese wurde auch im Handel und bei diplomatischen Anlässen verwendet. In diesem Zusammenhang war sie unter dem Begriff Hansesprache bekannt. Auch als Literatursprache kommt dem Niederdeutschen noch bis heute eine besondere Bedeutung zu. Apropos Gegenwart: Heute ist es so, dass die niederdeutschen Dialekte stark vom Standarddeutsch beziehungsweise vom Niederländischen beeinflusst werden. Dabei entstanden auch Mischformen. Eine davon, das Missingsch, wollen wir uns einmal etwas genauer ansehen.

Was ist Missingsch?

Alleine der Name klingt schon ziemlich interessant, oder? Missingsch ist eine Mischsprache aus Niederdeutsch und Standarddeutsch. Zu der Vermischung beider Sprachformen kam es bei dem Versuch von niederdeutschen Muttersprachlern, Standarddeutsch zu sprechen. Das Missingsch zeichnet sich dadurch aus, dass der niederdeutsche Satzbau und Lehnübersetzungen von plattdeutschen Ausdrücken ins Standarddeutsche übernommen worden sind.

Und wo kommt die Bezeichnung Missingsch her? Eine Erklärung könnte sein, dass der Sprachname von Meißnisch abgeleitet wurde, das wiederum von der Meißner Kanzleisprache stammt. Auch das Wort Messing könnte als Vorlage für Missingsch gedient haben: Wie beim Messing, das aus einer Legierung von Kupfer und Zink besteht, werden auch beim Missingsch zwei Komponenten vermischt.

In Dänemark schnackt ein kleiner Teil der Bevölkerung noch Platt. © Henning Bonn
Schönes Dänemark: Auch unsere Nachbarn im Norden sprechen zum Teil noch eine Variante des Niederdeutschen. © Shutterstock, Henning Bonn

Spricht man nur in Norddeutschland Plattdeutsch?

Wie bereits beschrieben, wird Plattdeutsch vor allem im Norden Deutschlands gesprochen. Auch wenn es schwierig ist, eine genaue Anzahl an Sprechern zu ermitteln, sind schätzungsweise 2,6 Millionen in Norddeutschland des Plattdeutschen mächtig. Diese Zahl an Menschen, die Niederdeutsch gut oder sehr gut sprechen, ermittelte das Institut für Niederdeutsche Sprache im Jahr 2009. Aber wie sieht es mit dem Plattdeutschen außerhalb von Norddeutschland aus?

Im Jahr 2003 sprachen Erhebungen zufolge etwa 1,5 Millionen Menschen niederdeutsch in den Niederlanden. Unter niederdeutsch ist in diesem Fall jedoch die dort vorherrschende Dialektform zu verstehen. Unsere dänischen Nachbarn sprechen nur zu einem kleinen Bruchteil eine Variante des Niederdeutschen. Dabei handelt es sich um ca. 20.000 Menschen der deutschen Minderheit, die Nordschleswiger Platt spricht. Dies ist wiederum ein Dialekt des Schleswigschen.

Doch das Plattdeutsche hat sich weltweit noch weiter verbreitet. Es gibt insgesamt etwa 300.000 Menschen, die das sogenannte Plautdietsche sprechen und weitere 300.000 in Brasilien, die Pommersch beherrschen. Pommersch ist sogar anerkannte Co-Amtssprache in einigen Teilen Brasiliens. Dazu kommt noch eine unbekannte Sprecherzahl in den USA, Kanada, Kirgisistan, Russland, Kasachstan, Mexiko, Paraguay, Bolivien und Belize. Wahnsinn, wie weit unser schönes Platt gereist ist, oder?

Urlaubsglück an der Ostsee – welche plattdeutschen Wörter hört man noch heute oft? © Shutterstock, ThomBal
An der Ostsee ist es immer schön – ob bei Sonnenschein oder Schietwetter. © Shutterstock, ThomBal

Welche Wörter werden noch heute verwendet?

Soweit zur Theorie, doch wie sehr beeinflussen plattdeutsche Wörter noch heute den Sprachgebrauch bei uns in Mecklenburg-Vorpommern und der gesamten Ostseeküste? Eine steife Brise, Regen und Kälte: Wenn es bei uns im Norden draußen so aussieht, sprechen wir von einem typischen Schietwetter. Habt ihr das schon einmal gehört? Und wenn das Wetter so ist, dass wir partout nicht an den Ostseestrand möchten, schmökern wir gerne mal in einem guten Buch. Schietwetter bietet uns natürlich auch die Gelegenheit, das Durcheinander – oder Kuddelmuddel, wie wir Nordlichter sagen – aufzuräumen, das sich in der Wohnung angesammelt hat. Auch „schnacken“ für reden, „auf den Swutsch gehen“ für feiern, oder „plietsch“ für schlau sein, werden bei uns noch ganz selbstverständlich verwendet. Erst, wenn jemand aus südlicheren Gefilden uns verständnislos ansieht, merken wir, dass wir gerade Platt geschnackt haben, ne?

Wird Plattdeutsch auch in der Schule unterrichtet?

Ja, Plattdeutsch wird als Schulfach unterrichtet. Das gilt für Schleswig-Holstei, Hamburg, Bremen und auch für unsere Kinder in Mecklenburg-Vorpommern. Dabei muss jedoch noch einmal differenziert werden. In Bremen wird es nur als Teil eines Pilotprojektes unterrichtet. In den übrigen Ländern handelt es sich bei Niederdeutsch um ein Wahlpflichtfach. An Schulen in Niedersachsen gibt es für Niederdeutsch wiederum kein eigenes Schulfach. Vielmehr wird Plattdeutsch hier in andere Fächer integriert. Die nördlichen Teile von Brandenburg, Sachsen-Anhalt und Nordrhein-Westfalen gehören zum niederdeutschen Sprachraum. Hier gibt es freiwillige Optionen, Plattdeutsch zu lernen. Für alle genannten Bundesländer gilt jedoch, dass das Unterrichten von Plattdeutsch nicht flächendeckend geschieht. Es sind nur einzelne Schulen, an denen die Kinder Plattdeutsch im Rahmen eines Unterrichtsfaches lernen können. Manchmal geschieht dies auch in Form von AGs oder im Musikunterricht, wenn plattdeutsche Lieder gesungen werden. Für den Spracherhalt ist der Unterricht in Schule in jedem Fall wichtig, da Platt im Elternhaus heutzutage kaum noch gesprochen wird.

Den Anstoß für das Unterrichten von Niederdeutsch gab die Europäische Charta der Regional- und Minderheitensprachen, die 1998 von Deutschland ratifiziert wurde und ein Jahr später in Kraft trat. Die Charta verfolgt das Ziel, Minderheiten- und regionale Sprachen zu schützen. Dazu gehören Vereinbarungen über das Unterrichten an Schulen und das Ermöglichen eines Hochschulstudiums in Niederdeutsch. Seit 2016 wird Niederdeutsch bei uns in Mecklenburg-Vorpommern übrigens als reguläres Schulfach an einigen Grundschulen unterrichtet. Auch in der Sekundarstufe II wird Plattdeutsch in Mecklenburg-Vorpommern zum Teil unterrichtet. Das gibt es bis jetzt nur in unserem Bundesland. Neben Plattdeutsch wurden übrigens auch Sorbisch, Romanes, Friesisch und Dänisch in die Sprachencharta aufgenommen, da sie von Minderheiten gesprochen werden.

Nicht nur dieser Seemann versprüht maritimes Flair, auch ein paar Ausdrücke auf Plattdeutsch vermögen das. © Shutterstock, Andreas Rose
Kein Seemannsgarn: Für euren Ostseeurlaub könnt ihr euch mit gängigen Phrasen auf Platt vorbereiten. © Shutterstock, Andreas Rose

Die wichtigsten Phrasen und Sätze für euren Ostseeurlaub

Fangen wir mit dem Wichtigsten an: der Begrüßung. Bei uns sagt man ganz einfach „Moin!“. Das ist unkompliziert, freundlich und kann als Begrüßungsformel den ganzen Tag über verwendet werden. Wenn ihr darauf hin freundlich gefragt werdet: „Wo geiht die dat?“, fragt euer Gegenüber nach eurem Empfinden. Im Bestfall antwortet ihr dann: „Mi geiht dat good“, also „Mir geht es gut.“ Alternativ könnt ihr auch ganz cool „Wie immer“ antworten, das heißt auf Platt „Das is at dat is“. Vielleicht werdet ihr darauf auch gefragt „Vun wo kummst du?“, also „Woher kommst du?“ Eine wichtige Frage im Urlaub an der Ostsee ist auch die nach dem Essen. Wer weiß, vielleicht hört ihr in einem Restaurant auf Fischland-Darß-Zingst ja einmal die Frage: „Smeckt di dat Eten?“.

Wir wünschen euch viel Spaß bei eurem nächsten Ostseeurlaub

Auch wenn wir gerade alle Zuhause bleiben und der nächste Urlaub etwas warten muss, dürfen wir doch schon einmal etwas träumen. Das Gute ist schließlich, dass wir in Deutschland die Ostsee vor der Tür haben und uns relativ spontan eine kurze Auszeit gönnen können. Deshalb schlagen wir vor, euch ganz genau auszumalen, was ihr unternehmen könnt, wenn ihr das nächste Mal am Meer seid. Hier geben wir euch zum Beispiel Tipps, wie ihr Fischland-Darß-Zingst auf dem Fahrrad entdecken könnt und warum ihr dem Hafen in Althagen unbedingt einmal einen Besuch abstatten solltet. Bleibt gesund und wir freuen uns darauf, euch bald wieder an der Ostsee begrüßen zu dürfen.

Beitragsbild: © Shutterstock, Christoph Mischke

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